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Das 24 Stunden Rennen, der Bol d'Or von 1969 in der Arena von Montlhery*. Michel Rougerie selbst kommentiert das Rennen. Er erklärt die Schwierigkeiten eines Piloten, bei einem 24 Stunden Rennen teilzunehmen. In diesem Jahr gewann er das Rennen mit seinem Teamkollegen Daniel Urdich.

 

 

* Etwa 20km süd-westlich von Paris liegt der historische Hochgeschwindigkeitskurs "Circuit Linas Montlhéry". Bis 2003 fanden dort die "Coupes Moto Légende" statt, ein Wochenende Motorrad pur.
Eingerahmt in zwei gigantische Steilkurven vermischten sich im Innenbereich der Strecke Fahrerlager, Markenclubs und Verkaufsstände. Fahrer, die auf vor 1965 gebauten Maschinen anreisten, hatten freien Eintritt.
Zu sehen ist ein Teil der östlichen Steilkurve.

 

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Die untere Grafik zeigt den Streckenverlauf. Zuletzt wurde nur die östliche der beiden Steilkurven befahren. In dieser waren zudem in Kurvenscheitel und -ausgang zwei Schikanen eingefügt, um allzu risikofreudiges Fahren zu vermeiden.

 

 

Die Geschichte der Rennstrecke von Montlhéry 

Wie ein Relikt aus einer anderen Zeit stellt sich die gesamte Strecke dar. Hier ist der Hauch der Vergangenheit wirklich zu spüren. Als wenn die Zeit stehen geblieben wäre, präsentieren sich noch heute die beiden gigantischen Steilkurven mit ihren Betonpisten und der filigranen Tragkonstruktion. Ein Fahrerlager oder gar Boxen nach heutigen Ansprüchen gibt es nicht. Ein grosser, freier Platz inmitten des Betonovals ist das Maß aller Dinge. Aber: Was braucht man mehr in der Welt von Montlhéry?

  

 

L'age d'Or - Das goldene Zeitalter

Der Mann, der für diese Rennstrecke 24 km südlich von Paris verantwortlich ist, war der Industrielle Alexandre Lamblin. Die Rennstrecke liegt zwischen den Orten Linas und Montlhéry. Dies ist gleichzeitig der Grund für ihren offiziellen Namen Motor-Rennstrecke von Linas-Montlhéry. Lamblin war Eigentümer einer Fabrik für Autokühler, Flugzeuge und Herausgeber der Zeitschrift "l´Aerosport". Er hatte die Idee, Frankreich - und speziell der Region von Paris als Zentrum der damaligen französischen Fahrzeugindustrie - zu einer Rennstrecke zu verhelfen. Die frühen zwanziger Jahre waren die Zeit der Rekorde und Wettbewerbe aller Arten, bis hin zu Rennen zwischen Autos und Flugzeugen... Hinzu kam, dass England bereits seit 1907 die Rennstrecke in Brooklands hatte. Indianapolis in den USA bestand seit 1911 und Monza in Italien seit 1922.
1923 hatte Alexandre LAMBLIN einige Projekte zum Ankauf von riesigen Flächen zwischen Montlhéry und Nozay unternommen. Er kaufte schliesslich ein Grundstück auf dem Sain-Eutrope-Plateau im Bereich von Linas, nahe bei Montlhéry. Es wurden zwei Streckenführungen untersucht und man entschied sich für die kostengünstigere. Diese sah einen 2,5 km langen Ring vor, der durch einen weiterführenden Strassenkurs ergänzt werden konnte. 

Der Ingenieur Raymond Jamin wurde mit dem Design der Rennstrecke beauftragt. Sie besteht aus zwei kurzen Geraden von je 180 Metern Länge. In den Bögen des Ovals hat sie ein konkaves Profil, das sich mathematisch aus einer Parabel und einer logarithmischen Spirale ergibt. Dies beiden Steilkurven sind das charakteristische Design-Merkmal der Rennstrecke von Montlhéry. Der Ring ist für Geschwindigkeiten bis zu 220 km/h an der Oberkante der Steilkurven konzipiert. Auf der Zentrumslinie ergibt sich eine Gesamtlänge von 2.548,24 m.
2.000 Arbeiter haben in der Rekordzeit von nur 6 Monaten die Konstruktion aus 1.000 Tonnen Stahl und 8.000 cbm Beton erbaut. Durch den Bau mit vorgefertigten Teilen war die Rennstrecke eine der Avantgarde-Konstruktionen ihrer Zeit.

Montlhéry zog sehr schnell eine grosse Anzahl von Renn-Pionieren mit ihren monsterhaften Rekordautos an. Viele kamen von England, da schon damals die Nachbarn der Rennstrecke von Brooklands Schwierigkeiten wegen der Lautstärke machte und Rennen bei Nacht verboten waren. Schon in den ersten 2 Monaten nach der Eröffnung wurden über 100 Rekorde in Montlhéry aufgestellt oder bestehende unterboten. Der erste Rekord in Montlhéry wurde von der Marke Rolland Pilain aufgestellt. Der Streckenrekord wurde von Gwenda Stewart in einem Derby-Miller mit einem Schnitt von 234,681 km/h aufgestellt und galt für lange Zeit als das Maß aller Dinge. 1926 fuhr Miller mit Eltridge als Fahrer viele Rekorde für die amerikanische Marke ein.

Auf der Strecke von Linas-Montlhéry wurden natürlich auch Rennen organisiert. Der Grandprix des Automobilclubs von Frankreich ACF wurde1925 zum ersten mal veranstaltet, nachdem die Ovalbahn zwischenzeitlich durch einen in Rekordzeit gebauten Strassenkurs ergänzt worden war. Die gesamte Rennstrecke war nun 12,5 km lang. Dies zog immer grössere Zuschauermassen an bis hin zum französischen Staatspräsidenten.
Bei Rennen fuhren die Autos die Strecke im Uhrzeigersinn, wogegen Rekordfahrten auf der Ovalbahn gegen den Uhrzeigersinn gefahren wurden.
Unglücklicherweise kostete dieses Rennen auf der großen Strecke Antonio Ascari in seinem Alfa Romeo P2 das Leben. Der erste Sieger war Robert Benoist in seinem 12-Zylinder Delage. In der Folgezeit wurde der ACF-Grandprix von 1931 bis 1937 in Montlhéry gefahren. Die mittlerweile begründeten Rennformeln brachten einem grossen und interessierten Publikum die spannenden Kämpfe zwischen Alfa Romeo und Bugatti und später zwischen Mercedes, der Auto-Union und Delage.

 

Der Krieg, die Wiederauferstehung und der Niedergang

Die ins Unermeßliche steigenden Unterhaltskosten und der Zustand der Betonbahn machten es unmöglich, Monoposto-Rennwagen mit extrem hohen Geschwindigkeiten fahren zu lassen. Damit war eine Austragung von aktuellen Rennserien nur noch sehr eingeschränkt möglich. Dieser Umstand führte dazu, dass die Rennstrecke mit einer Größe von 750 Hektar im Jahre 1939 verkauft wurde. Sie wurde von der französischen Regierung übernommen und dem Kriegsministerium unterstellt. Während des Krieges blieb die Strecke unbenutzt.
Im Dezember 1946 war es dann soweit, dass die UTAC (Union Technic pour Auto, Moto et Cycle) das Management übernahm. Die UTAC als Betreiberin der Rennstrecke ist seither für die Renovierung, den Unterhalt der Strecke und für die Austragung von Veranstaltungen zuständig. Dies wurde mit dem Ministerium in einem langfristigen Pachtvertrag geregelt. Die Renovierung dauerte 2 Jahre und umfasste Verbesserungen wie einen Kontroll- und Zeitnahmeturm, eine Tribüne für 1000 Zuschauer, eine Tankstelle etc.

Seit dieser Zeit gibt es wieder ein aktives Rennleben in Montlhéry. Test- und Einstellfahrten werden hier abgehalten, aber auch die Rennveranstaltungen kamen zurück an diesen historischen Ort. Selbst Formel-Rennen wurden bis in die Siebziger Jahre hier ausgetragen. Und schließlich wurde hier von 1956 an in unregelmäßigen Abständen der "Coupe du Salon" zur Internationalen Autoausstellung von Paris ausgetragen und nicht zuletzt Langstreckenrennen wie die 1000 km von Paris. Und das, obwohl die Oberfläche des Betonbelages eigentlich zu keiner Zeit den Anforderungen von schnellen Rennwagen gerecht wurde.

Der Unfall, der im Jahre 1964 Peter Lindner, Franco Patria und 3 Streckenposten das Leben kostete, war eine traurige Bilanz dieses Umstandes. Die 1000 km von Paris wurden nur noch einmal 1966 durchgeführt und dann nochmals im Jahre 1994. Der "Coupe du Salon" und der Grand Prix de l´Age d´Or sind die beiden letzten großen Veranstaltungen, die auf dieser Rennstrecke weiterhin stattfanden. Der "Coupe du Salon konnte zwar nicht gehalten werden. Aber 1996 war der Grand Prix de l´Age d´Or die drittgrößte französische Rennveranstaltung nach den 24 stunden von LeMans und dem Formel 1-GP.

 

Das Ende der Rennstrecke

1997 und dann noch einmal 2001 erteilte die französische Rennstrecken-Kommission der Bahn für jeweils vier Jahre die notwendige Zulassung zu einem geordneten Rennbetrieb, um den „Coupe du Salon“ und den „Grand Prix de l'Age d'Or“ – ein Rennen mit historischen Rennfahrzeugen – weiter veranstalten zu können. Auch ein Rennen zur nationalen Formel-Renault-Meisterschaft  wurde 2002, allerdings nur am Straßenkurs, ausgetragen. Vor allem die Erhaltung der Trägerkonstruktion der Steilkurven machte den Betreibern zu schaffen; so musste schon 1997 eine der beiden Kurven gesperrt werden. Nach dem Ablauf der letzten Vierjahresfrist 2005 war klar, dass die Strecke in keiner Hinsicht mehr den Anforderungen an die Sicherheit einer modernen Rennstrecke entsprach und nur Investitionen in Millionenhöhe Abhilfe schaffen könnten.

Diese Investition wollten die Betreiber aber nicht mehr aufbringen und verkauften das Areal an eine Immobiliengesellschaft, die die Strecke vollständig schleifen und Wohnanlagen errichten möchte. Einer Vereinigung zur Rettung des Kurses (Association pour la Sauvegarde de l'Autodrome de Linas-Montlhéry, ASALM) unter Schirmherrschaft der bekannten französischen Rennfahrer Hubert Auriol, Henri Pescarolo, Patrick Tambay, Patrick Delage, Jean-Claude Andruet, Jean-François Baldé und Jean-Pierre Beltoise gelang es trotz umfangreicher Protestaktionen und Demonstrationen nicht, die Strecke zu erhalten.